8. Lernraum, Bewährungsraum und Prüfungsraum
Wer Kompetenz aufbauen soll, braucht einen Raum, in dem Fehler sichtbar und reparierbar sind, ohne sofort den ganzen Menschen zu bewerten. Angst vor Beschämung oder Selektion führt dazu, dass Unsicherheit versteckt wird. Das ist in sicherheitskritischen Feldern besonders gefährlich. Unser Lernsystem muss deshalb formativ beginnen: Aufgaben dienen zunächst dem Lernen, Feedback und erneuten Versuch.
Erst ausdrücklich bezeichnete Evidenzsituationen tragen formale Aussagen. Der Lernende weiß vorher, welche Daten erhoben werden, wer sie sieht, welche Kriterien gelten und welche Konsequenzen möglich sind. Übungsspuren, Coachingnotizen, formale EvidenceRecords, Kompetenzclaims und öffentliche Credentials bleiben getrennt. Ein Fehler im Lernraum darf nicht still zum dauerhaften Makel werden.
Viele lernorientierte Datenpunkte können zugleich hohen Feedbackwert besitzen. Folgenreiche Entscheidungen brauchen dagegen Aggregation, fachliches Urteil, Unsicherheitsangabe, Einspruch, Revalidierung und eine Prüfung auf falsche positive wie falsche negative Schlussfolgerungen. Genau hier trifft die didaktische Idee des programmatic assessment auf die CMI-Architektur aus Ereignissen, Runs, OutcomeArtifacts, Review, StateFacts und Snapshots.
Quellenanker: [B1, Kap. 8], [E7-E9], [B2]